Am Lobsigensee bei Seedorf (BE) war die Fundierung gleich in zweifacher Hinsicht anspruchsvoll: Der Baugrund ist teilweise vermoort und somit weich, zugleich sollte der Eingriff ins Naturschutzgebiet möglichst klein bleiben.
Im Naturschutzgebiet wurde auf weichem Boden gearbeitet. Für den Einbau kam der 1.2 Tonnen schwere KR D 30 zum Einsatz. «Als Raupenfahrzeug verteilt er sein Gewicht auf eine grössere Aufstandsfläche und belastet den Boden entsprechend weniger», erklärt Simon Liniger, Projektleiter Engineering bei z-part.
Der Lobsigensee ist ein stark verlandeter Toteissee; See- und Moorablagerungen prägen den Untergrund. Auf diesem weichen Baugrund kam die Montage zwar schnell vorwärts, eine einheitliche Fundierung war trotzdem nicht möglich: Steg und Turm mussten unterschiedlich gegründet werden.
Unter dem Steg setzte das Team auf viele kurze Schraubfundamente, sodass die Kräfte auf viele Punkte verteilt werden. Liniger beschreibt den Ansatz so: «Hier nutzt man den Vorteil, dass an Orten, wo schlechter Baugrund vorhanden ist, meistens die ersten zwei Meter besser verdichtet sind.»
Beim Aussichtsturm (6.70 Meter hoch, Plattform auf 3.50 Metern) lag die tragfähige Schicht erst in rund 10 bis 11 Metern Tiefe. Dafür brauchte es verlängerbare Schraubfundamente. Die Verlängerungen dieser Fundamente sind mit Tellern, sogenannte Helical-Elementen, ausgestattet. Liniger erklärt deren Funktion so: «Mit den Helical-Elementen erreichen wir an Orten und in Tiefen, in denen es keine tragfähigen Schichten gibt, Stabilität. Die Spitze ist tief im tragfähigen Baugrund eingedreht, während die Teller in den höher liegenden Schichten das Schraubfundament zusätzlich stabilisieren.»
Lobsigensee bei Aarberg, Gemeinde Seedorf (BE)
Gemeinde Seedorf
z-part group AG
107 m
Im Naturschutzgebiet spielte nicht nur das Gewicht der Maschinen eine Rolle. Auch das Hydrauliköl war auf den Einsatz in Wassernähe abgestimmt: Das Einbaugerät arbeitete mit MOTOREX ECOSYNT HEPR 46, einem biologisch rasch abbaubaren, EAL-normierten Hydrauliköl nach OECD 301 B. Tritt bei einem Defekt Öl aus, soll damit das Risiko einer grösseren Verschmutzung von Boden und Wasser reduziert werden.
Steg und Turm am Lobsigensee sind auf eine langfristige Nutzung ausgelegt. Trotzdem ist gerade im Naturschutzgebiet nicht nur relevant, wie gebaut wird, sondern auch, was nach einem potentiellen Ende der Nutzung zurückbleibt. Die Schraubfundamente lassen sich jederzeit wieder herausdrehen, ohne etwas im Ried zurückzulassen. In der Regel können sie danach sogar erneut genutzt werden.
Die Fundstelle «Seedorf, Lobsigesee» gehört zu den sechs Berner Teilgebieten des UNESCO-Welterbes «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen», das 2011 eingeschrieben wurde. Die Siedlungsreste stammen aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr.; erste Grabungen fanden 1908 statt.
Der Lobsigensee ist ein Toteissee, entstanden beim Rückzug des Gletschers. Heute ist er stark verlandet und vermoort.
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